Landwirtschaft im Grünen BAnd

„Schutz durch Nutzung“, lautet das Motto von Verena Volkmar. Sie ist als Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Grabfeld e.V. (LPV) zuständig für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung von 155 laufenden Kilometer am Grünen Band von Eisfeld bis Henneberg.

 

Der Verein hat sich 1992  gegründet, um Landwirte, Privatpersonen und Kommunen in der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft und Landschaftspflege zu beraten und zu unterstützen. 1993 baten einige Landwirte, die bis 1945 im ehemaligen Grenzstreifen Flächen besaßen, um Unterstützung, wie sie diese wieder in nutzen können. „Es war eine Handtuchwirtschaft in diesem Bereich. Landwirte hatten oft Flächen in Bayern und Thüringen.“ Das hatte sich über Generationen entwickelt, je nachdem wie geheiratet oder vererbt wurde, erklärt die diplomierte Landwirtin.

 

Bei der Grenzziehung nach dem zweiten Weltkrieg sei man willkürlich vorgegangen. „Man hat nicht nach Flurstücken geschaut. Teilweise wurden sogar Grundstücke mit einer Flurnummer durch die Grenzziehung durchtrennt“, weiß Volkmar aus ihrer Tätigkeit. Die Folge war, dass bayerische Bauern ihre Flächen bis an die Bayrische Grenze weiter bewirtschafteten. „Die Flächen von thüringischen Besitzern auf bayerischer Seite wurden von anderen Bauern mitbewirtschaftet – oft von der Verwandtschaft“, so Volkmar. Die thüringischen Bauern konnten Anfang der 50er Jahre, bevor die DDR mit dem Ausbau der Grenze begann, ihre Flächen im Grenzstreifen ganz normal bewirtschaften.

 

Anfang der 60er Jahre mussten Besitzer von Flächen im ehemaligen Schutzstreifen ihre Flächen abgeben, das heißt, sie wurden enteignet. Während der DDR-Zeit wurden diese Flächen im heutigen Grünen Band in der Regel von der jeweiligen LPG bewirtschaftet. Nach der Wiedervereinigung herrschte dann großes Durcheinander, so Volkmar. „Viele haben angefangen, Flächen zu bewirtschaften, auch wenn die Eigentumsverhältnisse noch nicht geklärt waren.“ Hier versuchte der Landschaftspflegeverband in seinem Betreuungsgebiet in mühseliger Kleinarbeit Ordnung und Klarheit in die Sache zu bringen.

 

Der LPV bekam 1993 die Zusage vom Bundesvermögensamt, dass er die Flächen im ehemaligen Schutzstreifen pachten könne, um diese an seine Mitglieder unterzuverpachten. Ziel war es aber von Anfang an, die Flächen extensiv zu bewirtschaften und die vorhandenen Biotope zu schützen. „Das Grüne Band sollte erhalten bleiben, trotzdem sollten Landwirte die Flächen nutzen können“, formuliert Volkmar das Ziel. Keine leichte Aufgabe, wie Volkmar zugibt, da Landwirte oft andere Vorstellung der Bewirtschaftung hätten. „Mein Vorteil ist, dass ich selbst aus der Landwirtschaft stamme. Ich weiß, wie Landwirte ticken.“

 

Nach dem Mauergrundstücksgesetz (Gesetz über den Verkauf von Mauer- und Grenzgrundstücken an die früheren Eigentümer) von 1996 konnten ehemalige Eigentümer ihre Flächen zu einem Viertel des Verkehrswertes zurückkaufen.

 

2004 sind alle Flächen, die nicht von Alteigentümern zurückgekauft wurden, in den Bundesbesitz übergegangen. Der Freistaat Thüringen hat diese Flächen im Grünen Band 2010 an die Stiftung Naturschutz Thüringen (knapp 4000 Hektar) übertragen. Die Stiftung wiederum hat davon die bisherig vom LPV gepachteten 360 Hektar im Grünen Band weiter an diesen verpachtet. „Diese Flächen verpachten wir derzeit an 14 Kooperationspartner weiter. Ich betreue die Betriebe fachlich und unterstütze sie bei der Beantragung von Fördermitteln“, beschreibt Volkmar ihre Aufgabe.

 

Als Geschäftsführerin des LPV und Leiterin der Natura 2000-Station Grabfeld kümmert sie sich aber um die gesamten 155 Kilometer Grünes Band in ihrem Betreuungsgebiet in Südthüringen und berät Eigentümer vor dem Hintergrund, die Artenvielfalt und den Biotopverbund zu erhalten bzw. wieder herzustellen. „Alles erfordert individuelle Lösungen.“ Es gibt zum Beispiel Eigentümer am Grünen Band, die keine Landwirte sind. „Ich berate diese, an wen sie verpachten können, zum Beispiel an einen Schäfer, der in dieser Region unterwegs ist.“ Dann gibt es Landwirte, die gar nicht ihre eigenen Flächen bewirtschaften. „Da versuchen wir mit anderen Landwirten, bei denen es ähnlich ist, Tauschgeschäfte zu organisieren.“

 

Verena Volkmar weiß, dass Landwirte von ihren Betrieben leben müssen und wirtschaftliche Aspekte entscheidend sind. „Aber ich versuche den Landwirten klar zu machen, dass Naturschutz ein Standbein für den Betrieb sein kann. Wenn man es clever anstellt, kann man mit Naturschutz auch Geld verdienen.“ Volkmar geht davon aus, dass der Naturschutz in den nächsten Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Sie sieht aber auch das Land in der Pflicht, die entsprechenden Gelder als Fördermittel bereitzustellen. „Das ist meine Aufgabe, hier den Überblick zu behalten, entsprechend zu beraten und bei der Antragstellung zu unterstützen.“